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17. Ausgabe 2020 (23. APRIL 2020)

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17. Ausgabe 2020 (23. APRIL

AZA 8762 Schwanden Jeden Donnerstag in allen Haushaltungen Abonnement ausserhalb der Region jährlich Fr. 70.– Einzelverkauf: Fr. 2.20 Nr.17 Donnerstag, 23. April 2020 Aus den Verhandlungen des Regierungsrates 6 Die Regionalzeitung mit Amtsblatt und der Fridolin+ App Gegründet 1928 als Anzeiger vom Gross- und Kleintal Amtsblatt 14 –16 Aus dem Linthgebiet 22 Auflage 32 069 Expl. WEMF/SW-beglaubigt Fridolin Druck und Medien Tel. 055 6474747, Fax 055 6474700 E-Mail: fridolin@fridolin.ch www.fridolin.ch LEIT-SATZ Notfalldienste Einkehr Für jene, die auf der Überholspur leben, fühlte es sich an, als würden sie von 100 auf 0 abgebremst, und auch für fast alle anderen verlangsamte sich das Leben merklich. Wer jung und gesund war, zog die Joggingschuhe an, machte Sport, sass aufs Velo, ging mit dem Hund raus. Selbst die meisten der älteren Semester flohen mit den Nordic- Walking-Stöcken auf den Spazierweg an die Sonne. Manchem fielen zum ersten Mal seit langem wieder die blühenden Apfelbäume auf, das gelbe Meer von Löwenzahn, und weil der Verkehr abnahm, waren plötzlich vielstimmige Vogelrufe zu hören. Zeitgleich mit den ersten Beschränkungen erklangen die ersten Warnrufe vor der wachsenden häuslichen Gewalt, vor den Auswirkungen der Quarantäne auf die Psyche. Denn es ist im zeitgenössischen Lebensstil nicht vorgesehen, dass der Mensch bei sich selber sei und sich und die Seinen eine ganze Woche, ja einen ganzen Monat aushalte. In Wochenfrist schrieb der Benediktinerpater und Schriftsteller Anselm Grün eine Gebrauchsanweisung für die Quarantäne – wichtig sei es, sich Nischen und eine Schweigezeit zu schaffen. Dahinter steht das Angebot zur Einkehr, welches in den staatlichen Verfügungen zum «Lockdown» steckt. Wie in einem Kloster, wo Einkehrtage zum Ablauf des Lebens gehören und vom Abt festgelegt werden, gab es für einen Grossteil der Bevölkerung Besinnungstage in den eigenen vier Wänden. Der griechische Philosoph Heraklit sagt in einem seiner dunklen Fragmente: «Ich beriet mich bei mir selbst!» Damit deutet er an, dass nicht nur alle Probleme ihren Grund in uns selbst haben, sondern dass dort auch Lösungen zu finden sind. Für jeden und jede fühlt sich diese Nische in sich selbst anders an – einige sind unsicher oder zappelig, weil nicht sofort etwas geschieht, andere werden mit ihren Abgründen konfrontiert, wieder andere finden in sich eine blühende Wiese – in jedem Fall aber kann in der Schweigezeit ein Anstoss kommen. Es ist so still, dass die innere Stimme zu hören ist. Vielleicht sagt sie: «Es ist gut, wie du bist!» Vielleicht hat sie sogar eine Anregung parat fürs weitere Leben. Wenn jetzt, Schritt für Schritt, die Lockerungen kommen und das gesellschaftliche Leben wieder Fahrt aufnimmt, ist es eine Chance, diesem Ruf der inneren Stimme auch weiterhin zu folgen. Dann kann sie zum Leit - faden werden, zur Vogelstimme im Verkehrslärm, zum Wegweiser in ein besseres Leben. ● FJ Bruder Fidelis vom Kloster Mariaburg vor dem Franziskus-Kreuz. Für das Video-Statement von Pater Fidelis Fridolin+ App herunterladen und Foto scannen. (Foto und Video: FJ) Lebenswertes Glarnerland Kollateralnutzen Derzeit ist oft die Rede von den grossen Kollateralschäden, welche die Coronavirus-Krise im verletzlichen globalen und auch im Schweizer Wirtschaftssystem anrichtet. Der FRIDOLIN fragte sich, ob es auch so etwas wie einen Kollateral nutzen der Krise geben könnte und wie man diesen in die Zukunft mitnehmen kann. Es ist Donnerstagmittag – entlang der Grenze wird nicht abgefertigt, aber sonst ist auf den Schweizer Strassen alles grün. Kein einziger Stau, bloss etwas stockender Verkehr wegen eines Pannenfahrzeugs im Entlisberg- Tunnel. Homeoffice und «Lockdown» haben dazu geführt, dass man überall durchkommt, selbst in den Stosszeiten durch Netstal. Dasselbe Bild im ÖV. Wo sonst Passagiere sich im 7-Uhr-Zug nach Zürich auf den Füssen herumstehen, ist plötzlich genügend freier Platz. Die Entdeckung der Langsamkeit Doch während die Strassen und Verkehrsmittel leer sind, befinden sich viele Menschen in der Selbstisolation oder Quarantäne. Das lärmige Leben des Alltags ist zum Erliegen gekommen. Der Verkehrslärm verebbt, der Himmel ist so klar wie nie. Wochenlang leben alle mit ihrer Familie oder ihren Partnern auf engstem Raum, können nicht nach draussen und fühlen sich, besonders, wenn sie allein stehend sind, in den eigenen vier Wänden eingeschlossen. Wie kann der moderne Mensch so etwas aushalten? Vielleicht wissen ja die Mönche Rat – also zum Beispiel die Franziskaner vom Kloster Mariaburg in Näfels. Bruder Fidelis empfängt den Gast vom FRIDOLIN in einem Sprechzimmer. Fidelis geht es wie fast allen anderen auch. Jeder Orden hat seine eigene Spiritualität, so auch der Franziskanerorden, der sich seit jeher um die Armen und Kranken gekümmert hat. So auch Bruder Fidelis. Seine Aufgabe ist die Spitalseelsorge in Glarus. Diese Aufgabe kann er derzeit nicht wahrnehmen – denn er selber gehört zur Risikogruppe der Über-65-Jährigen. Eine schmerzliche Erfahrung. Aber auch eine Chance. Balance finden Die Situation von Ruhe und Ab - geschiedenheit, die viele jetzt zum ersten Mal erleben, kennt Bruder Fidelis von der Zeit, als er – mitten aus seinem Berufsleben heraus – ins Kloster eintrat. «Es war wie ein Sprung vom Sprungbrett ins Ungewisse», sagt er. «Ich wusste nicht, ist das, was ich jetzt tun will, eine echte Berufung oder einfach Midlife-Crisis oder ein Spleen.» Es folgte dann die Ausbildung, wo er die Regeln und die Spiritualität des Ordens kennenlernte und Theologie studierte. «Ich hatte vorher eine gewisse Position gehabt. Als ich in den Orden kam, musste ich wieder unten beginnen. Das hat mir anfangs zu schaffen gemacht.» Jetzt wechseln sich aktives Leben und Einkehr ab – beides gehört dazu, und es geht darum, hier eine Balance zu finden. Für die Zukunft Genau darin liegt auch die gesellschaftliche Chance des jetzigen Augen blicks – kurz bevor der «Lockdown» gelockert wird. Man könnte versuchen, dessen positive Neben - effekte – den Kollateralnutzen – in die Zukunft mitzunehmen. Viele Unternehmen und ihre Mitarbeitenden sammelten das erste Mal Erfahrungen mit Homeoffice. Wenn alle weiterhin einen oder zwei Tage in der Woche zu Hause arbeiten, könnte man sich die Investitionen ins Nationalstrassenprogramm sparen, und auch die morgendlichen und abendlichen Züge nach Zürich wären nicht mehr rappelvoll. Systemrelevante Berufe – etwa im Verkauf oder in der Pflege – haben plötzlich Wertschätzung erfahren. Wenn sich das in Zukunft auch auf die Entlöhnung auswirkt, gehören Pflege - notstand und Personalknappheit bald der Vergangenheit an. Familien schwangen sich an sonnigen Frühlingswochenenden aufs Velo oder gingen auf die Wiese zum Picknick statt im Auto über Land. Der Wochenendverkehr nahm um bis zu 50Prozent ab. Kein Stau am Gotthard, Benzin und Heizöl so billig wie nie. Wenn es gelingt, das weiterhin zu pflegen, profitieren die Umwelt und das lokale Gewerbe. Und selbst wenn in diesem Frühling Erdbeeren und Spargeln etwas teurer sein sollten, weil sie aus der Schweiz kommen, tut das dem Genuss keinen Abbruch und unterstützt die Landwirte direkt. Das Land ist zur Besinnung ge - kommen, und jetzt könnte es helfen, bei Besinnung zu bleiben. ● FJ Hausärztlicher Notfalldienst Täglich 24 Stunden EINWOHNER GLARUS SÜD: 0844 55 66 55 EINWOHNER GLARUS: 0844 44 66 44 EINWOHNER GLARUS NORD: 0844 33 66 33 Zahnarzt Samstag, 25. April 11.00 bis 12.00 Uhr Sonntag, 26. April 11.00 bis 12.00 Uhr und 17.00 bis 18.00 Uhr Der diensttuende Notfallzahnarzt ist über Telefon 1811 zu erfragen. Augenarzt Samstag/Sonntag, 25./26. April Vista Klinik Bahnhofstrasse 15, Pfäffikon SZ Telefon 055 55216 66 Wochenend-Notfalldienst: jeweils ab Frei tag, 12.00 Uhr, bis Montag, 08.00 Uhr. Schweizerisches Toxikologisches Zentrum Telefon 145, Zürich Tierarzt Samstag/Sonntag, 25./26. April Tierärztliche Notfallklinik Glarnerland und Umgebung Tierklinik am Kreis AG Zaunweg 11, Netstal Telefon 055 646 86 86 Permanenter Notfalldienst für alle Tierarten Grosstierpraxis Landerer Bahnhofstrasse 31a, Näfels Telefon 055 622 22 66 Wochenend-Notfalldienst: jeweils ab Samstag, 12.00 Uhr, bis Montag, 07.30 Uhr. Auto Unfall- und Pannendienst Region Glarnerland Telefon 0848 801870 Freitag, 24. April, 16.00 Uhr, bis Freitag, 1. Mai, 16.00 Uhr Auto Nart AG, Ennenda