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18. Ausgabe 2020 (30. APRIL 2020)

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Donnerstag, 30. April 2020 | Seite 30 Transatlantischer Glarner Montreal statt Glarus Derzeit sollte er in Bremen spielen – Felix Stüssi, Kulturpreisträger von Glarus Nord, Jazzpianist und Komponist, der mit seiner Familie in Montreal (Kanada) lebt. Doch nun bleibt er zu Hause, die kommenden Tourneen sind abgesagt und der Winter ist noch einmal in die Millionenstadt zurückgekommen. Gerade hat er sein Velo mit den Spikes wieder aus dem Keller geholt. Felix Stüssi probiert den selbst gekelterten kanadischen Wein. Für ein Stück von «SuperNova 4» Fridolin+ App downloaden und Foto scannen. (Fotos und Video: Felix Stüssi) Kaum aus dem Glarnerland nach Montreal zurückgekehrt, kommt die Krise. Gibt es da auch so etwas wie Heimweh nach den Bergen? Ironischerweise waren wir in den «Bergen» der Ostküste, genauer beim Mont Sutton, am Langlaufen, als für alle überraschend der Aus - nahmezustand ausgerufen und jeg - licher wirtschaftliche und kulturelle Umtrieb unterbunden wurde. Keine andere Region in Nordamerika hat so schnell und drastisch reagiert wie Québec. Während Trump im Süden noch zweifelhafte Witzchen riss, wurden hier bereits Schulen und Geschäfte geschlossen; heute sind wir äusserst froh darüber. In der unberührten Natur, fernab aller Turbulenzen, kam uns das Ganze äusserst surrealistisch vor. Sutton mit seinen an den Jura erinnernden, bewaldeten Hügelzügen ist der eigentliche Hauptort der in Ostkanada lebenden Auslandschweizer. Hier versammeln sich jeden 1. August rund 3000 jodelnde und fahnenschwingende Post-, Neo- und auch Möchtegern- Schweizerinnen und -Schweizer, um die ferne Heimat zu feiern. Kein Wunder also, dass meine Gedanken über den Atlantik schweiften. Gerade noch hatte ich mit Familie und Freunden wunderbare Momente im Glarnerland verbracht, und ich freute mich bereits auf ein Wiedersehen im Juni, doch nun wurde mir schlagartig bewusst, dass wohl alles anders kommen wird ... Coronavirus-Krise in Kanada: Wie fühlt man sich als Auswanderer im neuen Land der Freiheit, wenn da plötzlich die Freiheit eingeschränkt wird? Québecs Premierminister François Legault muss sich zu Beginn der Krise ähnlich befremdet gefühlt haben wie ich, flogen wir doch noch am 21. Januar in der gleichen Swiss- Maschine von Montreal nach Zürich, er auf dem Weg ans WEF in Davos, ich auf Heimatkurs. Ich muss sagen, dass das «neue Land der Freiheit», mindestens was Québec betrifft, mit erstaunlicher Disziplin auf die Vor - gaben und Restriktionen der Be - hörden reagiert. Premier Legault und seine ratgebenden Ärzte Danielle McCann und vor allem der äusserst sympathische Horacio Arruda sind inzwischen zu Volkshelden geworden. Jeden Tag um 13.00 Uhr verfolgen die Québecois mit fast religiöser Andacht die Pressekonferenz des «Corona - virus-Trios» Legault, McCann und Arruda. Justin Trudeau macht das Gleiche auf der nationalen Ebene. Kaum jemand beklagt sich hier über die Einschränkungen, im Gegenteil, das Virus hat eine Welle uneigennütziger Nächstenliebe ausgelöst: Ehemalige Pfleger, Schwestern und Ärzte kehren an die Front zurück, Handwerkslehrerinnen nähen Schutzmasken im Akkord, und Velokuriere besorgen Einkäufe für Betagte. Mir ist bewusst, dass der erzwungene Hausarrest für viele ganz schlimm ist. Wir haben ein Häuschen, eine Terrasse mit Pergola und einen kleinen Garten, und – was das Wichtigste ist – unsere Familie schafft es, ohne grössere Konflikte über die Runden zu kommen. Ich habe wirklich nicht zu klagen. Was sind die grössten Einschränkungen für die Familie? Womit kommt ihr gut klar? Ist Velofahren möglich? Unsere grösste Herausforderung zu Beginn der Krise war es, unseren zwei Teenagern (15 und 18 Jahre alt) klarzumachen, dass Partys nun passé sind. Mittlerweile haben sie es ein - gesehen, und wir haben, dem Virus sei Dank, einige wunderschöne Spiel - abende im Familienkreis verbracht. Während sich unsere Kinder, mehr oder weniger fleissig, dem Fernstudium widmen, unterhält meine Frau, die Primarlehrerin ist, den Kontakt zu ihren 1.-Klässlern. An einen regelrechten virtuellen Unterricht ist aller - dings nicht zu denken, da nicht alle Schüler Zugang zu einem Computer haben. Meinerseits werde ich vermutlich noch für geraume Zeit arbeitslos sein. Ich übe viel und komponiere und transkribiere Musik. Weiter haben wir unserem Gemüsegarten ein neues Hochbeet hinzugefügt. Überhaupt spielt in dieser Krisenzeit der kuli - narische Aspekt eine grosse Rolle, und da bin ich in meinem Element. Schon seit Jahren keltere ich meinen eigenen Wein aus kalifornischen Trauben und backe auch alles Brot. Zu weiteren Hausprodukten gehören Joghurt, Hummus, Pesto und neu auch Sauerkraut. Wir lieben alle das gute Essen. Velofahren ist also nicht nur möglich, es ist ein Muss, denn sonst würden wir wohl alle bald platzen. Wen trifft es in Kanada am härtesten? Gesundheitlich und wirtschaftlich. Gesundheitlich trifft es wie überall auch hier die älteren Leute am härtes - ten. In den Pflege- und Altersheimen sterben die Infizierten reihenweise weg, vor allem die schon geschwächten Bewohner, manchmal leider auch Mitglieder des Pflegepersonals. Das Coronavirus legt an den Tag, dass hier seit Jahren krasse strukturelle und personelle Mängel und Missstände einfach ignoriert worden sind. Premier Legault hat gerade 1000 Soldaten angefordert, um in Pflegeheimen Hand anzulegen. Aber auch vielen Senioren, die im eigenen Heim wohnen, geht es nicht gut, denn ohne Besuch von ihren Kindern und Enkeln drohen sie zu vereinsamen. Was die wirtschaftlichen Konsequenzen betrifft, so sind diese noch nicht abzuschätzen. Die Kulturbranche, der Tourismussektor und das Gastgewerbe werden sicher noch monatelang am Boden liegen. Einige gehen davon aus, dass die Hälfte aller Bars, Restaurants und privaten Konzert - lokale nicht überleben werden. Der Staat versucht, mit Sonderkrediten und Subventionen das Schlimmste zu verhindern. So kommen sogar die nicht versicherten arbeitslosen Selbstverdiener, zu denen auch ich gehöre, in den Genuss einer Krisenunterstützung von maximal vier monatlichen Zahlungen von 2000 Canadian Dollars. Kurzfristig bleibt Felix am Piano – Corona-bedingt zu Hause in Montreal. so zwar gewährleistet, dass weiterhin Mieten und Hypotheken entrichtet werden und das Wirtschaftssystem nicht zusammenbricht, aber es entsteht ein gigantischer Schuldenberg, an welchem wahrscheinlich sogar noch unsere Kinder zu kauen haben werden. Mit Blick auf die geplante Europa- Tournee im Juni: Wie ist der Stand der Vorbereitung? Welche Länder hattet ihr geplant? Eigentlich hätte ich im Moment, da ich diese Fragen beantworte, in einem Flugzeug Richtung Bremen sitzen sollen. Kanada wäre am «jazzahead!»- Meeting, der grössten Messe der Jazzwelt, das offizielle Gastland gewesen, und ich hatte vor, da das Erstlingsalbum meines neuen Projekts «SuperNova 4» vorzustellen. Daraus ist nichts geworden, und auch die für den kommenden Juni geplante Tour mit Ray Anderson ist der Coronavirus-Pandemie zum Opfer gefallen. Ich versuche nun, die Veranstalter in Deutschland, in der Schweiz und in Italien dazu zu bewegen, das Projekt um ein Jahr auf Juni 2021 zu verschieben. Zwei weitere Tourneen in Korea und Japan wären für September und Oktober geplant. Sie sind zwar noch nicht abgesagt, aber ich glaube, dass auch da jede Hoffnung begraben werden muss. Es kann sein, dass wir Musiker erst wieder auftreten können, wenn dereinst ein Impfstoff gefunden worden sein wird, und das kann bekanntlich noch lange dauern. Nichtstun und Daumen - drehen ist nicht meine Stärke. In der Landwirtschaft herrscht wegen des Ausbleibens der Mexikaner und Guatemalteken akuter Mangel an Arbeitskräften, vielleicht sollte ich vorübergehend bei einem Weinbauern anheuern ... in diesem Sinne Prost und gute Gesundheit! ● Felix Stüssi/Die Fragen stellte FJ. Solidaritätskampagne für das Glarner Gastgewerbe Ein Biss(ch)en Landsgemeinde ... ... mit der 1-Meter-Kalberwurst durch den «Lockdown» – so heisst das Motto von VISIT Glarnerland. Denn ein Biss(ch)en Landsgemeinde soll leeren Beizen und leeren Kassen entgegenwirken, indem die Glarner Metzgermeister die Kalberwürste «strecken», also in die Länge ziehen: eine Ausnahmewurst für den Ausnahmezustand. Das ist keine Grillschnecke: Kalberwurst am Meter für das Gastgewerbe im «Lockdown». (Foto: zvg) Pandemie-«Lockdown» und das ausgerechnet zur Landsgemeinde – das betrifft Stimmbürgerinnen und Stimmbürger genauso wie die Glarner Gastronomiebetriebe. Zusammen mit den Tourismusdestinationen startet VISIT Glarnerland eine besondere Kampagne, um der schwierigen Situation im Gastgewerbe entgegenzuwirken. Dank dem Einsatz der hiesigen Metzgereien ist die Solidaritätsaktion «Ein Biss(ch)en Landsgemeinde» startbereit. Lieblingsgast unterstützt Lieblingslokal Entstanden ist die 1-Meter-Kalberwurst als Teil einer Gutschein-Aktion, die den Restaurants, Bars und Clubs sofortigen Umsatz bringen soll. Auf www.glarnerland.ch gibt es seit Dienstag, 28. April, drei verschiedene Gutscheine, die bis am Sonntag, 6. September 2020, gültig sind. Stamm- und Gelegenheitsgäste, vor allem aber Landsgemeinde-Fans können jetzt ihr Lieblingslokal mit 100 bis 300 Franken unterstützen und ab der Lockerung der Pandemie-Massnahmen dort Kalberwurst am Meter, Tagesmenüs oder Bier geniessen. Der Mehrertrag der Gutscheine kommt den Gastronomiebetrieben in der jetzigen Situation zugute. Perspektive auf «Ein Biss(ch)en Landsgemeinde» Während die Solidaritätsaktion den Glarne - rinnen und Glarnern Vorfreude auf baldige Lockerung der Pandemie-Massnahmen bietet, bedeutet sie für die lokalen Gastronomie - betriebe sofortige Unterstützung – eine Per s - pektive auf «Ein Biss(ch)en Lands gemeinde», zu der alle etwas bei tragen können. Schliesslich wäre es schade, gäbe es 2020 1-Meter-Kalberwürste, ohne eine gegessen zu haben. ● pd. Weitere Infos unter www.glarnerland.ch. Die drei Solidaritäts-Gutscheine im Detail Für 300 Franken gibt es die 1-Meter-Kalberwurst mit den üb lichen Landsgemeindemenü- Beilagen für 4 Personen. Die Alternative dazu ist ein Tagesmenü mit vegetarischer Variante für 200 Franken. Beide Gutscheine beinhalten keine Getränke. Diese gibt es für 100 Franken: 4 Kübel Bier oder Ähnliches – siehe www.glarnerland.ch –, damit auch Bars und Clubs Teil der Aktion sind. Die Kampagne läuft seit Dienstag, 28. April. Die Gutscheine sind bis zur nächsten Landsgemeinde, am Sonntag, 6. September 2020, gültig.

Donnerstag, 30. April 2020 | Seite 31 Polizeimeldungen Leserfoto Krokusse in voller Pracht DIESBACH: TÖDLICHER BERG - UNFALL. Am Donnerstagabend, 23. April, wurden oberhalb von Diesbach zwei Berggängerinnen tot geborgen. Nach ersten Erkenntnissen begaben sich die beiden 75-jährigen Frauen vom Bahnhof Rüti GL aus auf eine Wanderung in Richtung Braunwald. Aus noch ungeklärten Gründen stürzten sie rund 190 m in die Tiefe. Dabei erlitten sie tödliche Verletzungen. Die beiden Rentnerinnen wurden am Montag, 20. April, als vermisst gemeldet. Im Rahmen der Suchaktion wurden die Vermissten bei einem Helikopter-Suchflug in einer Runse auf rund 740 m ü. M. gefunden. Die Umstände des Unfalls werden durch die Staatsanwaltschaft des Kantons Glarus in Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei Glarus untersucht. RIEDERN: FLURBRAND. Am Sonntag, 26. April, zirka 14.55 Uhr, erhielt die Kantonspolizei Glarus die Meldung, dass in Riedern, oberhalb der Rütigasse, in einem Waldstück Rauch aufsteigen würde. Die Feuerwehr Glarus konnte den Brand schnell unter Kontrolle bringen. Zur Löschung des Flurbrandes wurde zusätzlich ein Lösch-Helikopter bei - gezogen. Auf einer Fläche von zirka 30 x10m verbrannte Laub und Boden - holz. Personen und Objekte wurden keine in Mitleidenschaft gezogen. Die Brandursache ist Gegenstand von Ermittlungen. Von Feuerwehr und Polizei standen rund 32 Angehörige im Einsatz. MITLÖDI: VERKEHRSUNFALL. Am Montag, 27. April, 14.35 Uhr, ereignete sich auf der Landstrasse in Mitlödi ein Verkehrsunfall. Der Lenker eines Personenwagens war in Fahrtrichtung Glarus unterwegs und beabsichtigte auf Höhe des Ausstellplatzes «Horgenberg» zu wenden. Beim Überqueren der Gegenfahrbahn übersah der 63-Jährige ein entgegenkommendes Fahrzeug. Trotz Vollbremsung kam es zu einer seitlichen Kollision, wodurch der Wagen des Unfallverursachers auf die linke Seite kippte. Der Lenker zog sich dabei leichte Verletzungen zu. Er begab sich im Anschluss an die Unfallaufnahme selbstständig zur Kontrolle ins Kantonsspital Glarus. An den Fahrzeugen entstand Sachschaden. Als Folge des Unfalls kam es auf der Strecke zwischen Glarus und Mitlödi kurzzeitig zu Verkehrsbehinderungen. MOLLIS: VERKEHRSUNFALL. Am Montag, 27. April, 16.45 Uhr, ereignete sich auf der Flechsenstrasse in Mollis ein Verkehrsunfall mit Sachschadenfolge. Der 29-jährige Lenker eines Personenwagens war von der Autobahn A3 herkommend in Richtung Weesen unterwegs. Im Bereich der Verzweigung Flechsenstrasse – Biäsche fuhr er aus noch ungeklärten Gründen links an einem nach links abbiegenden Lieferwagen vorbei, worauf es trotz Vollbremsung zu einer Kollision kam. Das Auto geriet in der Folge über den Strassenrand und kam im angrenzenden Wiesenbord zum Stillstand. Beim Unfall wurde niemand verletzt. An den Fahrzeugen entstand Sachschaden. ● Beim Bergfrühling auf dem Bächikamm zeigen die Krokus-Pioniere ihre ganze Pracht vor dem Panoramablick auf den «König» des Glarner Hinterlandes. (Bildbericht: © Albert Schmidt)