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4. Ausgabe 2020 (23. Januar 2020)

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4. Ausgabe 2020 (23. Januar

AZA 8762 Schwanden Jeden Donnerstag in allen Haushaltungen Abonnement ausserhalb der Region jährlich Fr. 70.– Einzelverkauf: Fr. 2.20 Nr. 4 Donnerstag, 23. Januar 2020 Regierungsrat 4 Landrat 6 Die Regionalzeitung mit Amtsblatt im Wirtschaftsraum Glarus Gegründet 1928 als Anzeiger vom Gross- und Kleintal Amtsblatt 17 – 19 Aus dem Linthgebiet 33 Auflage 32 069 Expl. WEMF/SW-beglaubigt Fridolin Druck und Medien Tel. 055 6474747, Fax 055 6474700 E-Mail: fridolin@fridolin.ch www.fridolin.ch LEIT-SATZ Notfalldienste Am Marterpfahl Die Szene ist bekannt aus den Winnetoufilmen: Das Opfer steht an den Marterpfahl gefesselt, während der Indianerstamm um es tanzt. Ganz ähnlich mag sich fühlen, wer krank im Spitalbett liegt und von seiner Sippe besucht wird. Der Kranke möchte sich erholen, durchatmen, gesund werden – aber die ums Bett versammelte Gemeinde möchte ihn wahlweise gesundbeten, gesundfüttern oder mit Letzten Ölungen versehen. Diätvorschläge wechseln mit gymnastischen Übungen ab, Geschichten, wie Onkel Albert den Ischias überwand, mit Zeitungsartikeln, welche die Prognosen des wehrlosen Bettlägerigen betreffen. Dieser möchte der Pflegefachfrau «Zu Hilfe! Zu Hilfe! Sonst bin ich verloren …» zurufen, aber leider versagt ihm die Stimme. Im Spital kann es sein, dass der Kranke Glück hat. Dann kommt die resolute FaGe und scheucht die Verwandtschaft beim Ende der Besuchszeit aus dem Zimmer. Doch leider ist es im Gesundheitswesen insgesamt nicht viel besser als am Marterpfahl – bloss, dass die Indianer nicht im Stamm auftreten, sondern dass jeder von ihnen ein eigenes Büro hat. Und so, wie manche Verkäufer händereibend um die Kunden scharwenzeln, so tanzen Medizinmänner und Gesundbeterinnen, Sänftenträger und Leibköche einzeln um den Patienten und schlagen ihm Pillenkuren und Diätpläne vor, die dieser gar nicht allesamt einhalten kann. Das hat etwas mit unserem Gesundheitssystem zu tun. Es hat sich spezialisiert, und so sind die Aufgaben genauso versplittert wie am Hof von Kaiserin Sissi, die von der Gouvernante bis zur dritten Kammerzofe musste, um angezogen zu werden. Und so, wie Kaiserin Sissi vom Durcheinander der Diener überfordert war, so sind es die heutigen Pflege- und Betreuungsbedürftigen und ihre Angehörigen im Durcheinander von Angeboten, Hilfswilligen und Therapierenden. Das sagt nichts gegen diese Therapien, die kantonal geprüft und professionell sind. Doch Hilfe ist wenig hilfreich, ja in gewissen Fällen sogar unerwünscht, bevor klar ist, was als Erstes oder als Nächs - tes zu tun ist. In so einem Augen - blick braucht es jemanden, der den Überblick behält, der sich wirklich kümmert, der zuerst mit dem Patienten spricht, bevor er anfängt, zu salben, zu pudern, zu füttern und zu massieren. Der die Situation in ihrer Gesamtheit erfasst, analysiert und dann das Wichtige zuerst tut. Aber irgendwie steckt er in allen: der Stammesreflex, sofort ums Bett zu tanzen. ● FJ Franziska Tschudi, Annarös Streiff Annen und Sabine Steinmann (von links) koordinieren die Glarner Gesundheit. Glarnerland macht sich Fit für die Gesundheit (Foto: FJ) Die Kosten im Gesundheitswesen steigen, Glarnerinnen und Glarner werden immer älter, in Pflege und Betreuung fehlt es an Fachkräften. Doch im spezialisierten Gesundheitssystem fehlt es insbesondere an Koordination. Der FRIDOLIN suchte nach jenen, welche die Gesundheitsleistungen im Kanton koordinieren, und traf sie – in ihrem Büro im Glarner Rathaus. Die Resultate aller Umfragen zeigen klar: Immer mehr Menschen möchten in ihren vier Wänden alt werden. Doch es fehlt an Pflegekräften. Nach wie vor werden deshalb viele Menschen zu Hause gepflegt – von ihren Angehörigen. Eine sehr gute Sache. Die Gesellschaft braucht pflegende Angehörige, damit Pflege und Betreuung überhaupt funktionieren können. Risiko pflegen Doch wer Angehörige pflegt, geht ein Risiko ein. Jemanden pflegen, dauert im Durchschnitt sechs Jahre – ein Langstreckenlauf, während dessen irgendwann die Überforderung kommt und damit das Risiko, auch selbst zu erkranken. Gleichzeitig beginnt mit einer Krankheit für die Angehörigen ein Gang durch die Institutionen. Es gibt zwar im Glarnerland für fast alles das passende Angebot, aber niemand hat den Überblick. Unkoordiniert war gestern Das heisst: Niemand hatte den Überblick. Seit knapp einem Jahr steht jeweils montags (08.00 bis 12.00 Uhr), mittwochs (14.00 bis 18.00 Uhr) und freitags (14.00 bis 17.00 Uhr) im Treppenaufgang des Rathauses ein Schild: Es weist den Weg zum Büro der Koordination Gesundheit – KOGE. Hier arbeiten Sabine Steinmann, Annarös Streiff Annen und Franziska Tschudi. Die drei Fachfrauen haben alle eine Ausbildung in Pflege und einen Weiterbildungsmas - ter, man kann sie telefonisch über 055 646 60 50 während der Bürozeiten erreichen oder ohne Voranmeldung hingehen. Sie kommen aus der Praxis und haben Berufserfahrung, aber auch die nötige Ausbildung. Sie sind das kantonale Navigationssystem durch den Dschungel von Pflege- und Betreuungsdienstleistungen. Sie pflegen also nicht selbst, sondern sie stellen fest, wo der Schuh drückt. Sie vermitteln danach die richtigen Kontakte, gleisen die Lösung auf und informieren die Angehörigen und Betroffenen über die Möglichkeiten, damit diese dann – gut informiert – selber wählen können, wie sie am effizientesten die gewünschte Pflege und Betreuung bekommen. Angegliedert ist die Palliative Care – also die Pflege dort, wo keine Heilung mehr möglich ist. Da geht es darum, den Kranken zu ermöglichen, dass sie zu Hause leben können und es nicht zu «unnötigen» Spitaleintritten kommt. Die Spitze des Eisberges Dass dies Kosten spart, liegt auf der Hand. Denn es wird informiert und koordiniert, bevor die Kosten anfallen. Oft sind es ganz alltägliche Probleme, welche die Angehörigen zur KOGE bringen. Wer kann mich ent - lasten, damit ich wenigstens einen Tag in der Woche durchatmen kann? Wer bringt meine Frau zur Dialyse, wenn ich zur Arbeit muss? Manchmal ist es das Spital, welches feststellt, dass jemand mehrmals im Jahr hospitalisiert wird, ohne dass das hilft. Oder die Spitex, welche sieht, dass jemand von der Pflegeaufgabe überlastet ist. So auch bei Frau Z., die ihren demenziell erkrankten Mann seit zwei Jahren betreut. Sie macht sich Sorgen, schläft schlecht, reagiert gereizt. Inzwischen ist ihr Mann so krank, dass sie ihn nicht mehr allein lassen kann. Doch sie arbeitet, Teilzeit. Also Job aufgeben oder Entlastungsdienst suchen? Auf den Tisch bringen Frau Z. fragt nach den Entlastungsangeboten im Kanton; die Koordinatorin trifft das Paar zu Hause, die Tochter ist dabei. Dort hört sie zu und erfasst alle Leistungserbringer, die beteiligt sind, und das soziale Netz von Frau Z. Denn nur so kann sie feststellen, welche Möglichkeiten es gibt und wie Frau Z. unterstützt werden kann. Frau Z. und ihre Tochter schauen, welche Schritte sich Frau Z. zutraut und wie sie sich auch mal erholen kann. Sie vereinbaren ein Vorgehen. Schon wird der nächste Fall an die Hand genommen. Die drei Frauen von der KOGE treffen sich mit Ärzten, Spitex, der Sozialberatung, dem Fahrdienst, dem Entlastungsdienst, der Krankenbegleitgruppe – immer mit einem Lächeln auf den Lippen und einem Plan in der Tasche. Denn pflegende Angehörige brauchen einen Aktionsplan, sonst gehen sie unter. ● FJ Hausärztlicher Notfalldienst Täglich 24 Stunden EINWOHNER GLARUS SÜD: 0844 55 66 55 EINWOHNER GLARUS: 0844 44 66 44 EINWOHNER GLARUS NORD: 0844 33 66 33 An Samstagen, Sonntagen und allgemeinen Feiertagen werden die Dienstkreise Glarus Süd und Glarus (Mitte) zusammen geschlossen. Zahnarzt Samstag, 25. Januar 11.00 bis 12.00 Uhr Sonntag, 26. Januar 11.00 bis 12.00 Uhr und 17.00 bis 18.00 Uhr Der diensttuende Notfallzahnarzt ist über Telefon 1811 zu erfragen. Augenarzt Samstag/Sonntag, 25./26. Januar Vista Klinik Bahnhofstrasse 15, Pfäffikon SZ Telefon 055 55216 66 Wochenend-Notfalldienst: jeweils ab Frei tag, 12.00 Uhr, bis Montag, 08.00 Uhr. Schweizerisches Toxikologisches Zentrum Telefon 145, Zürich Tierarzt Samstag/Sonntag, 25./26. Januar Tierärztliche Notfallklinik Glarnerland und Umgebung Tierklinik am Kreis AG Zaunweg 11, Netstal Telefon 055 646 86 86 Permanenter Notfalldienst für alle Tierarten Notfallring Landerer/Buchholz Dieses Wochenende hat Dienst: Kleintierpraxis Buchholz Buchholzstrasse 48, Glarus Telefon 055 640 26 40 Grosstierpraxis Landerer Bahnhofstrasse 31a, Näfels Telefon 055 622 22 66 Wochenend-Notfalldienst: jeweils ab Samstag, 12.00 Uhr, bis Montag, 07.30 Uhr.

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