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14. Ausgabe 2020 (1. APRIL 2020)

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14. Ausgabe 2020 (1. APRIL

AZA 8762 Schwanden Jeden Donnerstag in allen Haushaltungen Abonnement ausserhalb der Region jährlich Fr. 70.– Einzelverkauf: Fr. 2.20 Nr.14 Mittwoch, 1. April 2020 Aus den Verhandlungen des Regierungsrates 4 Die Regionalzeitung mit Amtsblatt und der Fridolin+ App Gegründet 1928 als Anzeiger vom Gross- und Kleintal Amtsblatt 14 –16 Aus dem Linthgebiet 25 Auflage 32 069 Expl. WEMF/SW-beglaubigt Fridolin Druck und Medien Tel. 055 6474747, Fax 055 6474700 E-Mail: fridolin@fridolin.ch www.fridolin.ch LEIT-SATZ Notfalldienste Vorsichtig normal Es ist eine Familie wie im Bilderbuch: Der Vater sitzt mit seinen beiden Töchtern im Garten. Sie haben ein Nest aus Moos und Tannzapfen gebastelt, wo der Osterhase seine Gaben verstecken soll. Sie winken uns beim Vorbeigehen, die Mutter ist am Gärtnern, sie bemerkt uns nicht. Meine Frau stellt fest: «Nach der Coronavirus-Krise wird die Schweiz die gepflegtesten Gärten haben!» Dann treffen wir Trudi. Sie sei unterwegs zu ihrer Tochter, sagt sie entschuldigend, und uns wird klar, dass sie zur Personengruppe ü65 gehört. Unsere Nachbarn, beide ü80, spazieren mit den Nordic- Walking-Stöcken eine kurze Runde zum Flugplatz und zurück. Sie seien ganz vorsichtig, beteuern sie. Die Nachbarn über uns treffen sich auf ihren Schuhgestellen am Sonntag - nachmittag zum Kaffeekränzchen mit «Stüggli», wohl darauf bedacht, die «Social Distancing»-Regeln einzuhalten. Nach den ersten Wochen – so scheint es – ist eine gewisse Normalität wieder eingekehrt. Es ist unglaublich, wie schnell viele die Regeln des BAG verinnerlicht und in ihrem täglichen Leben auch umgesetzt haben. Doch diese Normalität ist nicht jene oft unachtsame, die vor der Krise galt. Es ist nicht dieses gewohnte Aneinander-vorbei-Leben, wo die möglichst grosse soziale Distanz hinter ein paar netten Worten und der Flucht in die eigenen Kreise aufrechterhalten wurde. Im Gegenteil: Das kurze Gespräch mit Trudi bekommt eine ungeahnte Bedeutung. Noch nie haben wir ihre Herzlichkeit so spüren können. Meine Frau, die im Spital in der Pflege arbeitet, hat von den Nachbarn ein Dankeskärtli bekommen und Pralinen, und von ihrer Freundin wurde ihr ein be - malter Stein zugewidmet. «Ich habe mich noch nie in meinen 40 Jahren im Pflegedienst so wertgeschätzt gefühlt», sagt sie mit «Pipi» in den Augen. Gerade warnen die Sozialen Dienste vor der wachsenden häus - lichen Gewalt, man befürchte, dass sie in den Zeiten des Coronavirus zunehme. Das kann ich nicht be - urteilen. Mir kommt es eher so vor, als bringe das plötzliche Bewusstsein, dass jede und jeder vielleicht schon in zwei Wochen todkrank am Beatmungsgerät hängen kann, das Beste zum Vorschein. Die Fähigkeit, mit Nachbarn und Fremden, mit jenen, die jetzt am nächsten leben, verbunden zu sein – über liebe Nachrichten und grosszügige Gesten, über gegenseitige Hilfestellung und Rücksichtnahme. Es ist auf vorsichtige Weise normal, ja mehr noch: es ist tatsächlich Liebe. ● FJ Wo sonst der Fahrtsgottesdienst stattfindet, macht Sigrist Richard Arnold die Jahresreinigung. Für einmal nicht im September, sondern schon im Früh - ling. Für die Video-Ansprache «Hebed Sorg. Bliibed dihei.» von Landammann Dr. Andrea Bettiga Fridolin+ App herunterladen und Foto scannen. (Foto: FJ/Video: Florian Landolt) Glarner Kulturanlässe Abrasiert Die kulturellen Anlässe im Kanton Glarus fallen der Coronavirus-Pandemie zum Opfer. Der FRIDOLIN sprach mit Ratsschreiber Hansjörg Dürst und mit Schauspieler Leopold Ramhapp von der Chliibüni Glärnisch über historische und praktische Dimensionen. Ob das Chränzli-Theater auf dem Kerenzerberg, die Konzerte von Kammerchor, Singverein oder Jodel - chörli Chlytal, die Tournee der Chlii - büni Glärnisch mit «Schrägi Vögel & komischi Käuz» oder die seit über 600 Jahren durchgeführte Näfelser Fahrt – sie alle werden Opfer von COVID-19. Noch nie Dabei ist etwas geschehen, was es – so Ratsschreiber Hansjörg Dürst – noch nie gegeben hat: Die Näfelser Fahrt musste abgesagt werden. «Wir haben zusammen mit Sepp Schwitter und dem Landesarchiv bis ins Mittelalter geforscht und sind nicht fündig geworden. Seit1835, also seit die Fahrt in der heutigen Form begangen wird, wurde die Fahrt bis heute noch nie abgesagt», stellt Dürst fest. Das bedeutet: Seit 185 Jahren ist es sicher das erste Mal, dass dies geschieht. Wahrscheinlich ist es sogar seit dem Mittel - alter, also genauer seit 632 Jahren das erste Mal. Ein schmerzhafter histo - rischer Moment. Die Bedeutung Dabei hatte die Fahrt, wie sie heute begangen wird, vor allem im 19. Jahrhundert eine grosse Bedeutung, um die konfessionelle Spaltung des Kantons zu überwinden. «Nach der Reformation», so Dürst, «gab es immer wieder Streitigkeiten, ob die Neugläubigen (Reformierte) an der (katholischen) Fahrtsfeier teilnehmen sollten oder nicht. Der Evangelische Rat verbot ihnen 1674 sogar den Besuch bei einer Busse von 20 Kronen und liess das Besuchsverbot durch Wächter kontrollieren!» Das änderte sich in den 1830er-Jahren. «Die evangelische Seite wollte nicht mehr bloss inoffi - zielle Zuschauerin sein und forderte das erneute gemeinsame Begehen durch vier Memorialsanträge. 1835 reglementierte die Landsgemeinde die Fahrtsfeier in der heutigen Form. Dies ist das älteste Gesetz des Kantons, die Fahrtsfeier wird auch heute noch nach diesen Vorgaben durch - geführt. Diese Regelung war teilweise Wegbereiter, um die religiöse Spaltung des Kantons, welche sich unter anderem in der Durchführung von drei Landsgemeinden manifestierte, in der Kantonsverfassung von 1837 zu überwinden.» Von Seiten des Landammanns ergeht die Bitte an die Bevölkerung (siehe Video hinter dem Titelbild), den Feiertag zu Hause zu feiern. «Hebed Sorg. Bliibed dihei.» Denn auch wenn sie 2020 nicht begangen wird, bleibt die Näfelser Fahrt gemäss Ruhetagsgesetz ein Feiertag. Gleichzeitig fordert der Regierungsrat die Bevölkerung auf, durch die Beflaggung im ganzen Kanton an diesem Tag ein Zeichen der Solidarität zu setzen: «Für alle Helferinnen und Helfer im Kampf gegen das Coronavirus.» Die Folgen Noch härter trifft das Coronavirus Kulturveranstalter.Viele wissen nicht, wie es weitergehen soll. Manche verbreiten ihre Kultur jetzt online oder in Radio und Fernsehen, und manche, die auf Live-Vorstellungen setzen, haben sich ein System ausgedacht, um den Gästen ihrer ausfallenden Vorstellungen die Ticketpreise zurückzuerstatten. So die Chliibüni Glärnisch. Gut 4000 Eintritte wären zu vergeben gewesen, 2500 Plätze waren schon verkauft. Dann kam das Verdikt: Absagen! «Jeder, der ein Ticket gekauft hat», so Leopold Ramhapp, «hat eine E-Mail bekommen mit einem Link, wo man direkt einen Antrag stellen kann, auf Rückerstattung oder auf Spenden.» Zusammen mit Kassierin Rita Blesi arbeitet er – ob Banküberweisung oder Kreditkarte – Antrag für Antrag ab. Rein logistisch eine Meisterleistung. Zudem habe, so Ramhapp, die gesamte Truppe bereits zugesagt, damit das Stück so bald als möglich uraufgeführt werden kann. Etwas warten müssen derzeit jene, die ihr Ticket bei Messer – Haushalt – Geschenke Ferrari gekauft haben. Sobald das Geschäft wieder offen sein darf, kann man sein dort gekauftes Ticket zurückbringen und bekommt das Geld dafür zurück. Doch ob Theatervorstellung oder Fahrtsfeier: das wichtigste ist, dass die Pandemiewelle abebbt und man wieder ein kulturelles Zusammenleben geniessen kann. Vielleicht danach intensiver denn je. ● FJ Hausärztlicher Notfalldienst Täglich 24 Stunden EINWOHNER GLARUS SÜD: 0844 55 66 55 EINWOHNER GLARUS: 0844 44 66 44 EINWOHNER GLARUS NORD: 0844 33 66 33 Zahnarzt Donnerstag (Fahrt), 2. April 11.00 bis 12.00 Uhr und 17.00 bis 18.00 Uhr Samstag, 4. April 11.00 bis 12.00 Uhr Sonntag, 5. April 11.00 bis 12.00 Uhr und 17.00 bis 18.00 Uhr Der diensttuende Notfallzahnarzt ist über Telefon 1811 zu erfragen. Augenarzt Samstag/Sonntag, 4./5. April Dr. med. Sylvia Link Bahnhofstrasse 5, Wädenswil Telefon 044 780 84 44 Wochenend-Notfalldienst: jeweils ab Freitag, 12.00 Uhr, bis Montag, 08.00 Uhr. Schweizerisches Toxikologisches Zentrum Telefon 145, Zürich Tierarzt Donnerstag (Fahrt), 2. April Samstag/Sonntag, 4./5. April Tierärztliche Notfallklinik Glarnerland und Umgebung Tierklinik am Kreis AG Zaunweg 11, Netstal Telefon 055 646 86 86 Permanenter Notfalldienst für alle Tierarten Notfallring Landerer/Buchholz Dieses Wochenende hat Dienst: Kleintierpraxis Buchholz Buchholzstrasse 48, Glarus Telefon 055 640 26 40 Grosstierpraxis Landerer Bahnhofstrasse 31a, Näfels Telefon 055 622 22 66 Wochenend-Notfalldienst: jeweils ab Samstag, 12.00 Uhr, bis Montag, 07.30 Uhr.