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33. Ausgabe 2019 (15. August 2019)

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Donnerstag, 15. August 2019 | Seite 6 Interview mit Heinz Martinelli Beweglich werden, beweglich bleiben Seit 20Jahren gab es im Kanton Glarus nie mehr so wenig Arbeitslose und Stellensuchende wie gerade jetzt. Der FRIDOLIN sprach mit Heinz Martinelli, Leiter Hauptabteilung Wirtschaft und Arbeit, über die Dynamik dieser Situation, über die Herausforderungen und über die Situation von Jungen und Alten auf dem Arbeitsmarkt. Heinz Martinelli ist überzeugt: Berufshandwerker haben im Glarnerland gute Zukunftschancen. (Foto: FJ) Wie beurteilen Sie die derzeitige Arbeitssituation im Kanton Glarus? Die Wirtschaft in der Schweiz läuft, die Experten prognostizieren auch für das nächste Jahr Optimismus. Doch allmählich kühlt sich die globale Wirtschaft ab – was das für die Schweiz heisst? Es gilt abzuwarten. Bis dato merken wir generell noch nicht viel. Die aktuell gute Wirtschaftsentwicklung zeigt sich auch im Glarnerland. Fachkräfte werden fleissig gesucht. So wenige Stellensuchende zählten wir zum letzten Mal vor über 20 Jahren. Derzeit suchen im Kanton Glarus aktuell nur 547 Personen eine Stelle. Betrachten wir die Anzahl der Arbeitslosen, so haben wir per Ende Juli mit noch 269 Arbeitslosen eine Arbeitslosenquote von 1,2 Prozent erreicht. Diese Zahlen sind zwar sehr erfreulich, doch sie bergen auch diverse Herausforderungen. Eine tiefe Arbeitslosenquote bedeutet, dass Glarner Firmen, die Personal aufbauen, vor allem auch ausserhalb des Kantons rekrutieren müssen. Der Fachkräftemangel macht sich verstärkt bemerkbar. Der Standort Glarus profitierte während der vergangenen rund 10 Jahre vom dynamischen Umfeld des Metropolitanraums Zürich. Sowohl die Bevölkerung wie auch die Beschäftigung nahmen deutlich zu. Doch eine gute wirtschaftliche Entwicklung, beispielsweise in der In - dus trie, forciert parallel auch Produktionsoptimierungen und daraus die Automation. Und wenn sich industrielle Prozesse automatisieren, werden auch meistens Arbeitsplätze eingespart. So macht sich die Transformation zur Digitalisierung bemerkbar. Für eher gering qualifizierte Personen wird es daher in Zukunft immer schwieriger, eine geeignete Stelle zu finden. Viele Pendler verlassen täglich den Kanton. Welchen Berufsgattungen gehören sie hauptsächlich an? Gemäss Auswertung des Bundesamts für Statistik (BFS) im 2014 pendeln 5150 Personen weg, die im Kanton wohnen, 3800 Personen, die ausserhalb wohnen, pendeln in den Kanton. Seit dem Jahr 2000 haben sich die Pendlerbewegungen deutlich intensiviert. Wer im Kanton wohnt, pendelt primär in die Linthebene, den Bezirk March oder an den oberen Zürichsee. Zu uns kommen Pendler, welche vor allem in der Linthebene oder in der March wohnen. Es kann davon aus - gegangen werden, dass ein grosser Teil der Wegpendler in Dienstleis - tungsberufen in der Zürcher Agglomeration Beschäftigung findet. Das betrifft insbesondere das Finanz- und Versicherungswesen, die Informatik, KV-Berufe, etwa im Marketing, sowie den technischen und wissenschaft - lichen Bereich. Im Juli 2019 waren noch 269 Per - sonen arbeitslos. Welchen Berufsgattungen, Alterskategorien und Nationalitäten gehören sie an? Es gilt zu unterscheiden zwischen Stellensuchenden, das waren 547 Personen, und den 269 Arbeitslosen. Von den registrierten Arbeitslosen stammen 39 Personen oder 14 Prozent aus der Berufsgruppe «Übrige be- und verarbeitende Berufe» – dazu gehören zum Beispiel Produktions- und Betriebsmitarbeiter. 30 Personen oder 11 Prozent kommen aus dem Kaufmännischen Bereich, 29 Personen (11%) aus dem Handel und Verkauf, 21 Personen (8%) aus dem Gastgewerbe und 18 Personen (7%) aus dem Baugewerbe. In etwa die gleiche Gewichtung finden wir bei den Stellensuchenden. Im Juli waren 65 Schweizerinnen und 50Ausländerinnen arbeitslos, bei den Männern waren es 81 Schweizer und 73 Ausländer. 118 Arbeitslose waren 50 und mehr Jahre alt, in der weit grösseren Kategorie von 25 bis 49 Jahre waren es 131Arbeitslose. Es gab auch 20 Jugendarbeitslose. Viele Lehrstellen im Kanton sind noch nicht besetzt. Woher holen wir die fehlenden Auszubildenden? Die Anzahl der offenen Lehrstellen wird nicht systematisch erhoben. Die Lehrfirmen schreiben häufig auf verschiedenen Plattformen die Lehr - stellen aus. Gemäss der offiziellen Plattform berufsberatung.ch waren am 19. Juli noch 105 offene Lehrstellen erfasst – vor allem in den Berufsfeldern Bau, Metall, Maschinen, Holz, Innenausbau, Elektrotechnik sowie Gastgewerbe und Gebäudetechnik. Aktuell sind vor allem Lehrstellen im gewerblichen Bereich, also beim Handwerk, überproportional nicht besetzt. Auszubildende einfach holen geht ja nicht – vorab gibt es einiges zu tun. Für mich liegt da eine wichtige Aufgabe vor den Arbeitgebern und ihren Berufsverbänden, die aktiv auf die Schulabgänger der Sekundarstufe zugehen müssen. Es braucht eine pro - aktive Information über den Beruf und die Entwicklungsmöglichkeiten und die Schulen müssen dazu in der Berufsvorbereitung auch geeignete Fenster für solche Informationen bereitstellen. Aus meiner Sicht wird das Berufshandwerk sprichwörtlich goldene Zeiten erleben und der Kanton Glarus mit seiner Wirtschaftsstruktur hat die Chance, sich hier positiv zu entwickeln. Doch dieses Verständnis muss bei der Schule und den Schülern ankommen, deshalb müssen sich Firmen dafür attraktiv präsentieren, lehrbegleitend die Berufsmatura ermög - lichen sowie Weiterbildungen, höhere Berufsbildung und Karrierechancen aufzeigen. Denn in der nahen Zukunft wird eine Berufslehre mit Weiterbildung und allenfalls sogar einer Berufsmaturität die besten Chancen auf dem Arbeitsmarkt eröffnen – sowohl hinsichtlich der Stellenangebote wie auch beim Entgelt. Worauf führen Sie den Mangel an Auszubildenden zurück? Im Grundsatz floriert die Wirtschaft. Sie braucht Lernende und Lehr - abgänger – es gibt eine hohe Nachfrage dafür. Die Glarner Betriebe haben eine sehr gute Haltung gegen - über der Berufsbildung und bieten seit jeher viele Ausbildungsplätze an. Der Schlüssel ist – so denke ich – die Aufklärung, die Kommunikation. Be - geisterung wecken für das Berufsfeld. Doch es kommen jetzt geburtenschwächere Jahrgänge. In einzelnen Berufen – etwa beim KV, dem meistgewählten Lehrberuf 2019 – sowie im Detailhandel oder als Fachfrau/-mann Gesundheit können die Lehrstellen gut besetzt werden, da diese Berufe bei den Jugendlichen sehr beliebt sind. Es zeigt sich aber teilweise, dass «körperlich strenge» Berufe, wo man schmutzige Hände bekommt, nicht den Vorzügen vieler Jugendlicher entsprechen oder dass sie sich dafür nicht eignen. Obwohl hier die Lehrbetriebe und Berufsverbände sich grosse Mühe geben, diese Berufe attraktiv zu präsentieren – etwa bei Berufsshows in Ziegelbrücke, bei Berufsausstellung mit Tagen der offenen Tür und indem sie bei Berufsinformationstagen mitwirken. Man bedenke: Ein Kind mit 13 oder 14 Jahren wird mit der Berufswahl konfrontiert. Damit sind die Eltern die wichtigsten Partner in der Berufswahl. Einige von ihnen sind der Ansicht, dass eine handwerkliche oder technische Lehre keine gute Basis für eine erfolgreiche Laufbahn darstellt. Dies ist nicht der Fall – im Gegenteil. Es geht darum, das Potential des dualen Systems der Berufsbildung allen aufzuzeigen. Damit sie die wichtige Frage stellen: Welche Berufsfelder bieten eine Zukunft für mich? Aus welchen Abteilungen erhalten Sie Support? Vom Kanton? Von Berufsverbänden? Die Jugendlichen werden durch Schule und Berufsberatung im Berufswahlprozess begleitet. Dank dem grossen Angebot an Lehrstellen, das Glarner Firmen den Jugendlichen zur Verfügung stellt, haben diese das Glück, dass sie den Wahlprozess vollständig durchlaufen können und eigent lich nicht voreilig und viel zu früh einen Lehrvertrag abschliessen müssten aus Angst, am Schluss keine Lehrstelle zu erhalten. Natürlich muss jeder Berufsverband für seinen Nachwuchs besorgt sein – das bedeutet, er muss zu den Jugendlichen gehen und ihre Bedürfnisse und Anliegen abholen. Zu einem hohen Prozentsatz beeinflussen aber die Eltern die Berufswahl ihrer Kinder. Das heisst, auch die Eltern müssen über die verschiedenen Berufe und deren Möglichkeiten stetig aufgeklärt werden. Ein gutes Mittel dafür sind positive Berichte über erfolgreiche Lehrabgänger und deren Entwicklung. Oder Artikel über erfolgreiche Ausbildungsbetriebe wie beispielsweise die KraussMaffei HighPerformance AG. Der Kanton verfügt über mehrere Berufsschulen. Sind diese aus - gelastet? Sind sie rentabel? Das ist eine schwierige Frage. Gegen - fragen: Was heisst rentabel bei einer Berufsschule? Oder wie hoch sollte denn die Rentabilität einer Schule sein? In erster Linie müssen sie lehren und das Wissen weitergeben. Sicher brauchen sie auch eine solide Aus - lastung, um die nötige Infrastruktur tragen zu können. Schliesslich ergibt sich die wirksame Rentabilität, wenn der Abschluss vorliegt und die Person im Arbeitsmarkt produktiv eingesetzt wird. Grundsätzlich sind die Berufsschulen mehr als ausgelastet. Der Neubau in Ziegelbrücke wird dank zusätzlichem Raum und Synergiepotential zumindest mittelfristig Entlastung bringen. Wo gibt es Potential? Beim Neubau in Ziegelbrücke können Synergien genutzt werden und mit dem Unterrichten von ausserkantonalen Schülerinnen und Schülern kann auch die angesprochene Rentabilität gesteigert werden. Wenn ich aber Potential höre, denke ich auch an die Fachkräfteinitiative des Bundes. Das tönt gut, doch so einfach ist es nicht. Potential sehe ich bei den Frauen, die wieder in die Berufswelt einsteigen, bei den anerkannten Flüchtlingen. Ich würde sagen: Wir haben im Glarnerland sehr viel Potential, aber sehr unterschiedliches – und es gibt auch viele tiefer Qualifizierte. Ich glaube, auch das Wort «die Alten» wird schon bald eine andere Bedeutung bekommen. Denn sie haben grosses Know - how, das sie einbringen können und wollen. Als mögliche Alternative bietet es sich jedenfalls an, sie alle für den Arbeitsmarkt «fit zu trimmen» und sie – ungeachtet des Alters – in den entsprechenden Lehrberufen aus- und weiterzubilden. Was ist Ihre persönliche Empfehlung an Schulabgänger? Wähle einen Beruf, der deinen persönlichen und schulischen Kompetenzen entspricht und der dich nicht überfordert. Erarbeite dir unbedingt alternative Berufsideen, falls es mit dem ersten Berufswunsch nicht klappt. Wähle einen Beruf, wo die Konkurrenzsituation nicht so hoch ist, und überzeuge – etwa in der Schnupperlehre – mit Leistung und Moti - vation. Denk auch daran, dass deine VC Mollis Krampf am Berg Thomas Knöpfel hat sein Amt als OK- Präsident beim Wurst- und Brotrennen an Peter Baumgartner weitergegeben. Dies ist die einzige Änderung zum Berg radrennen von Mollis hinauf nach Mullern, welches am Mittwoch, 21. August, stattfindet. Es bleibt auch die nahrhafte Strecke von zirka 6 km und gut 600 Höhenmetern zu bewältigen, dies als Massenstartrennen vom Restaurant Waid in Mollis bis hinauf auf die Fläche von Mullern. Das im letzten Jahr neu lancierte Kinderrennen wird ebenfalls beibehalten. Sie absolvieren einen Zehntel des Hauptfeldes, 600 m Strecke und 60Höhenmeter. Der Start der Kinder erfolgt in der Rüti und das Ziel ist beim Fachtgaden, wo sich schliesslich auch die Hauptkategorie bei Wurst und Brot zur Rangverkündigung trifft. Alle E-Bike-Begeisterten (Elektro- velos) können sich ebenfalls messen, da ist wiederum ein Extra-Start, fünf Minuten vor dem Hauptfeld eingeplant. Die einfache Organisation ist nach wie vor das Markenzeichen dieses Abschlussrennens der Glarner Radsaison: ab 18.15 bis 18.45 Uhr An - meldung gegenüber dem Restaurant Waid. Startgeld immer noch der Fünf - liber, dabei ist Wurst und Brot und ein Getränk inbegriffen. Die Startzeiten sind ebenfalls unverändert: Elektrovelos um 18.55 Uhr, Hauptklasse um 19.00 Uhr und die Kinder schliesslich um 19.15 Uhr. Die Kategorien sind ebenfalls klein gehalten: Kinder Jahrgang 2009 und jünger, Kinder Jahrgang 2005 – 2008, Hauptklasse Frauen und Hauptklasse Männer. ● Hanspeter Klauser erste Berufswahl heute nur noch selten eine Wahl für dein ganzes Arbeitsleben ist. Das Schweizer Bildungssystem bietet dir eine Vielzahl von Möglichkeiten für die berufliche Laufbahn. Frage auch erwachsene Personen oder informiere dich bei der Berufs- und Laufbahnberatung. Gerade handwerkliche Berufe in Gewerbe und Industrie oder technisch orientierte Berufe bieten dir aus - gezeichnete Zukunftsperspektiven – ganz besonders, wenn man an die künftig noch stärker digitalisierte Welt denkt. Was empfehlen Sie Arbeitgebern, die Lehrstellen anbieten? Die meisten Lehrbetriebe machen schon sehr viel. Präsentieren Sie Ihre Firma attraktiv. Holen Sie – etwa am Tag der offenen Tür – auch die Eltern ins Boot, bieten Sie Schnupperlehren an und machen Sie bei den Veranstaltungen von Berufsfachschulen und Berufsverbänden mit. Halten Sie die Lehrstellenausschreibungen aktuell. Seien Sie dort, wo die Jugendlichen sich aufhalten. Nutzen Sie daher auch Social Media. Nicht alle Jugendlichen entscheiden sich gleich schnell – einige wissen schon am Ende der 2. Oberstufe, was sie lernen möchten, andere sind auch im Frühjahr der 3. Oberstufe noch auf Lehrstellen - suche. Schliessen Sie Lehrverträge nicht zu früh ab, sondern lassen Sie die Jugendlichen den Berufswahl - prozess ganz durchlaufen – es geschieht viel zwischen dem 13. und dem 16.Altersjahr. Gehen Sie fair mit den Jugendlichen um – informieren Sie sofort und reagieren Sie auf Anfragen oder Bewerbungen. Bieten Sie auch Lehren mit Berufsmatura und Lehren mit geringeren Anforderungen an – also etwa mit dem eidgenössischen Berufsattest EBA. Zu guter Letzt: Der Übergang von der Schule in die Arbeitswelt ist ein riesiger Schritt, was oft unterschätzt wird. Also begleiten Sie diesen Übergang aktiv und führen Sie die Auszubildenden in den neuen Arbeitsalltag unterstützend ein. Denn Jugendliche geben ihre Erfahrungen untereinander weiter – in der Lehre, beim Schnuppern und in ihren Peer- Groups. ● FJ Verkehrsbeschränkungen Kantonspolizei Glarus Verkehrsmeldung betreffend «Zigermeet19» Am Samstag, 17. August, findet auf dem Flugplatz Mollis die Airshow «Zigermeet19» statt. Aufgrund dieses Anlasses ist auf den Hauptachsen zwischen Glarus, Näfels und Niederurnen sowie beim Autobahnzubringer A3 mit erheblichen Verkehrsbehinderungen zu rechnen. Ebenfalls wird die Verbindungsstrasse zwischen Netstal und Mollis während des Anlasses sowie am Freitag (Trainingstag) gesperrt. Sperrzeiten: Am Freitag, 16., und Samstag, 17. August, ist die Molliser- bzw. Netstalerstrasse im Flugplatz - bereich jeweils von 07.00 bis zirka 19.00 Uhr in beide Fahrtrichtungen für jeglichen Durchgangs - verkehr gesperrt. Den Besuchern des «Zigermeet19» und für den Reiseverkehr wird empfohlen, frühzeitig in das Ver - anstaltungsgebiet zu reisen und für die Rückreise genügend Zeit ein - zuplanen. Hören Sie die Verkehrsmeldungen und halten Sie sich an die Mitteilungen der Polizei sowie der Verkehrsmanagementzentrale Schweiz (VMZ CH). Die örtlichen Signalisationen und die Weisungen der Verkehrsdienste sowie der Polizei sind zu beachten. Die Kantonspolizei Glarus dankt den Verkehrsteilnehmern für Ihr Verständnis. ●

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